Arbeitszeugnis Formulierungen: Was sie wirklich bedeuten

Arbeitszeugnis Formulierungen sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Harte Kritik werden Sie in keinem Arbeitszeugnis sehen. Sie ist nämlich gar nicht zulässig. Umso wichtiger ist es, all die kleinen Gemeinheiten und Seitenhiebe erkennen zu können, die Ihnen der Vorgesetzte zwischen den Zeilen mitgegeben hat. Arbeitszeugnis Formulierungen: Das bedeuten sie wirklich…

Arbeitszeugnis Formulierungen: Das ist nicht erlaubt!

Laut Gewerbeordnung muss ein Arbeitszeugnis zwei Bedingungen erfüllen. Das Zeugnis muss…

  • wahr sein.
  • wohlwollend sein.

Offene Kritik ist damit tabu – versteckte hingegen nicht. Als Konsequenz hat sich in den letzten Jahrzehnten eine regelrechte Geheimsprache für Arbeitszeugnisse herausgebildet. Personaler können anhand der allgemein gehaltenen Formulierungen meist direkt entschlüsseln, was wirklich gemeint ist. Dabei gibt es allerhand Chiffren und Codes, die den unbedarften Leser bisweilen in die Irre führen.

Auch für die Bewerber selbst ist es wichtig, die wirklichen Aussage ihrer eigenen Arbeitszeugnisse zu dekodieren. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten…




Arbeitszeugnis Formulierungen: Das ist wichtig

Arbeitszeugnis Formulierungen: Das ist wichtigVersteckte Botschaften sind nicht das einzige, auf das es im Arbeitszeugnis ankommt. Vor allem diese Punkte sind wichtig:

  • Kompetenzen: Das Arbeitszeugnis sollte die Kernkompetenzen des Bewerbers betonen und bestätigen. Im besten Fall decken sie sich mit jenen, die in der aktuellen Stellenanzeige eingefordert werden.
  • Lebenslauf: Die Angaben im Lebenslauf sollten zu jenen im Arbeitszeugnis passen. Vor allem in punkto Zeitraum und Aufgabenbeschreibung kommt es immer wieder zu Diskrepanzen – nicht immer unabsichtlich.
  • Formalitäten: Dass ein Arbeitszeugnis formell sauber ist – mit Datum und Unterschrift etc. – sollte selbstverständlich sein. Ist es das nicht, könnte es auf mangelnde Wertschätzung – oder einen unprofessionellen Arbeitgeber hinweisen.
  • Zeitverlauf: Man kann und sollte die einzelnen Arbeitszeugnisse miteinander vergleichen. Die spannende Frage dabei: Werden die Beurteilungen im Laufe der Zeit besser oder schlechter? Sie können sich denken, was sich ein Personalverantwortlicher wünschen würde…
  • Zeugniscodes: Was verrät es über den Bewerber, wenn man im Arbeitszeugnis zwischen den Zeilen liest? Dem Thema widmen wir uns gleich noch ausführlich.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Das bedeuten sie

Arbeitszeugnisse können wie Engelszungen klingen, aber von Teufelshand gemacht sein. Denn wie gesagt: Offene Kritik ist gesetzlich tabu, dafür müssen Codierungen herhalten. So können wohlwollend klingende Worte in Wahrheit das glatte Gegenteil meinen. Gut, wenn Sie das als Arbeitnehmer erkennen!

Arbeitszeugnisse erfüllen somit nicht allein den Zweck, die Arbeitsleistung eines Beschäftigten zu bestätigen und ihm die Jobsuche zu erleichtern. Sie können auch eine Warnung an alle anderen Unternehmen da draußen sein. „Achtung, den oder die auf keinen Fall einstellen!“

Ein kleiner Trick entlarvt viele Schreiber als Scharlatane: Achten Sie in Ihrem Arbeitszeugnis auf doppeldeutige Aussagen und kehren Sie sie in ihr Gegenteil um.

Ein paar Beispiele für Arbeitszeugnisse Formulierungen:

  • Er hat großes Fachwissen und gesundes Selbstvertrauen.
    Im Klartext: Er ist mega-arrogant.
  • Er war bei Kunden schnell beliebt.
    Im Klartext: Er ist in Verhandlungen nicht zu gebrauchen.
  • Es bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werden.
    Im Klartext: Voll-Versager!
  • Sie zeigte ein großes Einfühlungsvermögen in die Belange der Mitarbeiter.
    Im Klartext: Sie macht den Männern schöne Augen und flirtete, was das Zeug hielt.
  • Seine Geselligkeit trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.
    Im Klartext: Er gönnt sich auch während der Arbeit gerne mal ein Bierchen oder Kurzen.
  • Er machte sich mit großem Elan an die ihm übertragenen Aufgaben.
    Im Klartext: Ein Chaot vor dem Herrn!
  • Sie war in der Lage, ihre Meinung zu vertreten.
    Im Klartext: Eine völlig kritikunfähige Person.
  • Er hat eine erfrischende Art im Umgang mit Vorgesetzten und Kollegen.
    Im Klartext: Umgangsformen wie aus der Gosse.
  • Er war umgänglich und kontaktbereit.
    Im Klartext: Niemand mochte ihn.
  • Sie war durch ihre Pünktlichkeit ein gutes Beispiel.
    Im Klartext: Sie konnte nur pünktlich sein – sonst konnte sie leider nichts.
  • Er verstand es, alle Aufgaben erfolgreich zu delegieren.
    Im Klartext: Er war einfach nur faul und ließ andere für sich arbeiten.
  • Sie zeigte für ihre Arbeit Verständnis und Interesse.
    Im Klartext: Was nicht heißt, dass sie auch gearbeitet hätte.
  • Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit!
    Im Klartext: Er hat sie nötig, weil er andauernd krank ist.
  • Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute, besonders Erfolg!
    Im Klartext: Weil er hier alles hatte, aber ganz bestimmt keinen Erfolg.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Diese Schulnote hat Ihr Zeugnis

So ausgeklügelt ist die Zeugnissprache, dass man in ihr auch Schulnoten erkennt. Das macht es den Personalbüros noch leichter, einen Bewerber einzuordnen. Das Zünglein an der Waage sind meist die unscheinbaren Wörtchen stets, zur vollsten und zur vollen.

Immer besorgnisserregend sollte es sein, wenn sie in einem Arbeitszeugnis die Vokabel bemüht erspähen. Sie hat in der Regel nichts Gutes zu bedeuten. Wer sich bemüht, der kriegt nichts gebacken – so die Übersetzung.

So lesen Sie Schulnoten aus Ihrem Arbeitszeugnis: Sie/er erfüllte ihre/seine Aufgaben…

  • stets zur vollsten Zufriedenheit. Note 1
  • zur vollsten/stets zur vollen Zufriedenheit. Note 2
  • zur vollen Zufriedenheit. Note 3
  • zur Zufriedenheit. Note 4
  • im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit. Note 5
  • Sie/er hat sich bemüht. Note 6

Eine Schulnote kann auch in Teilbewertungen vergeben werden. Dabei sind es oft nur Nuancen, die den Unterschied zwischen sehr gut und gut ausmachen.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Note 1

  • Sie/er erzielte herausragende Arbeitsergebnisse und zeigte außergewöhnliches Engagement.
  • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
  • Sie/er war in höchstem Maße zuverlässig.
  • Sie/er erledigte ihre/seine Aufgaben stets selbstständig mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
  • Im Umgang mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war sie/er stets zuvorkommend, freundlich und korrekt.
  • Sie/er verfügt über hervorragende und fundierte Fachkenntnisse.
  • Sie/er verstand es, in allerbester Weise die Kollegen zu überzeugen und zu motivieren.
  • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.
  • Wir waren mit den Leistungen in jeder Hinsicht außerordentlich zufrieden.
  • Sie/er verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir außerordentlich bedauern.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Note 2

  • Sie/er erzielte beste Resultate und zeigte hohes Engagement.
  • Sie/er zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität und Eigeninitiative.
  • Sie/er arbeitete stets zuverlässig und äußerst gewissenhaft.
  • Sie/er erledigte die Aufgaben mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit.
  • Ihr/sein Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war stets einwandfrei.
  • Sie/er hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Note 3

  • Sie/er arbeitete gewissenhaft und zuverlässig.
  • Sie/er zeigte Engagement und Initiative.
  • Sie/er war bei der Arbeit sorgfältig und genau.
  • Sie/er erledigte die zugeteilte Arbeiten systematisch und zufriedenstellend.
  • Sie/er verfügt über solide Fachkenntnisse.
  • Ihr/sein Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Vorgesetzten und Kunden war vorbildlich.
  • Wir waren mit ihren/seinen Leistungen jederzeit zufrieden.
  • Sie/er erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Note 4

  • Sie/er hat alle übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.
  • Sie/er konnte die ihr/ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigen.
  • Sie/er war stets mit Interesse bei der Sache.
  • Sie/er zeigte keine Unsicherheiten bei der Ausführung ihrer/seiner Aufgaben.
  • Sie/er hat alle Aufgaben mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
  • Ihre/seine Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.
  • Ihr/sein persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei.
  • Sie/er hat unseren Erwartungen entsprochen.
  • Wir waren mit ihren/seinen Leistungen zufrieden.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Note 5

  • Sie/er war um zuverlässige Arbeitsweise bemüht.
  • Sie/er hat sich im Rahmen ihrer/seiner Fähigkeiten eingesetzt.
  • Sie/er zeigte er sich den Belastungen gewachsen.
  • Sie/er hat alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.
  • Sie/er zeigte nach Anleitung, Fleiß und Ehrgeiz.
  • Sie/er erledigte die Arbeiten mit Fleiß und dem Willen, sie termingerecht zu beenden.
  • Sie/er war in der Regel erfolgreich.
  • Sie/er hat sich bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden.
  • Sie/er entsprach im Allgemeinen den Anforderungen.
  • Ihr/sein Verhalten war ohne Tadel.
  • Sie/er hat unserem Unternehmen großes Interesse entgegengebracht.
  • Sie/er hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.
  • Sie/er verläßt uns in gegenseitigem Einvernehmen.

Arbeitszeugnis Formulierungen: Hier sind noch mehr

Hier sind noch mehr Beispiele für Arbeitszeugnis Formulierungen und ihre Bedeutungen:

  • Er hat alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse erledigt.
    Im Klartext: Nur erfolgreich war er dabei nicht.
  • Die ihm übertragenen Aufgaben hat er zu unserer Zufriedenheit erledigt.
    Im Klartext: Eigeninitiative zeigte er keine.
  • Sie arbeitete mit größter Genauigkeit.
    Im Klartext: Eine Pedantin, die allen den Nerv geraubt hat.
  • Sie war ihren Mitarbeitern stets eine verständnisvolle Vorgesetzte.
    Im Klartext: Sie verfügte über keinerlei Autorität.
  • Er wusste sich gut zu verkaufen.
    Im Klartext: Ein geltungssüchtiger Gernegroß, bei dem Wunschvorstellung und Realität weit auseinanderliegen.
  • Sie war stets nach Kräften bemüht, die ihr übertragenen Aufgaben zu unser Zufriedeheit zu erledigen.
    Im Klartext: Eine Nullnummer – die rhetorische Höchststrafe.
  • Er bewies großes Einfühlungsvermögen in Bezug auf die Belange der Belegschaft.
    Im Klartext: Für ihn war der Arbeitsplatz mehr ein erotischer Abenteuerspielplatz, auf dem er auf die Pirsch gehen konnte.

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Arbeitszeugnis Formulierungen: Warum die Abschlussformel so wichtig ist

Personalentscheider haben oft keine Zeit. Und was machen sie, wenn sie in Zeitnot sind? Sie überfliegen die Bewerbungsunterlagen – und gucken beim Arbeitszeugnis nur auf die letzten zwei, drei Sätze. Hier findet man die Bewertung durch den Ex-Arbeitgeber in kondensierter Form.

Der Abschlussformel kommt daher eine immer größere Bedeutung zu. Ist die Gesamtbewertung gut, handelt es sich um einen brauchbaren Kandidaten. Ist sie schlecht, kann man ihn aussortieren – und sich die Einzelheiten sparen. Zwei, drei Sätze, die über Wohl und Wehe einer Bewerbung entscheiden können.

Ein wichtiger Hinweis: Aus rechtlicher Sicht ist die Abschlussformel freiwillig. Ein Arbeitgeber ist also nicht verpflichtet, einem Mitarbeiter am Ende des Zeugnisses für seine Mitarbeit zu danken und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Der Arbeitnehmer kann eine Abschlussformel nicht einklagen.

Das macht schon dessen Bedeutung klar: Fehlt die Abschlussformel, ist das ein schlechtes Zeichen. Vielleicht will der Arbeitgeber seinem scheidenden Mitarbeiter noch einen Leberhaken verpassen – oder er war ihm eine Abschlussformel schlicht nicht wert.

Andererseits kann man auch mit einer versteckt negativen Abschlussformel jemandem noch dezent einen Tritt in den Hintern verpassen. Beispiel:

Frau Schulze verlässt unser Unternehmen zum TT.MM.JJJJ in beiderseitigem Einvernehmen. Wir danken für ihre Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir beruflich und privat viel Erfolg.

Viel kühler kann man eine Abschlussformel vermutlich nicht formulieren. Bedauern über ihr Ausscheiden? Kaum erkennbar. Stellt man die Sätze geringfügig um und ergänzt sie, klingen sie gleich ganz anders:

Frau Schulze verlässt unser Unternehmen zum TT.MM.JJJJ auf eigenen Wunsch. Wir bedauern ihr Ausscheiden sehr und danken ihr für ihre stets guten und engagierten Leistungen. Beruflich und privat wünschen wir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Abschlussformel: Wie ist sie aufgebaut?

Abschlussformeln im Arbeitszeugnis folgen meist einem Schema. Sie sind in der Regel in diese vier Teile aufgegliedert:

  1. Trennungsgrund

    Wollte der Mitarbeiter von sich aus gehen und hat gekündigt? Darauf deutet die Formulierung auf eigenen Wunsch hin. Oder wurde er gegangen? Das ist beim Satzbaustein in gegenseitigem Einverständnis der Regelfall.

  2. Danksagung

    Unter normalen Umständen bedankt sich der Arbeitgeber für Arbeitseinsatz und gezeigte Leistungen. Doch ist die Lautstärke des Dankeschön nicht immer gleich – das kommt auf die Formulierung an. Fehlt eine Danksagung komplett, spricht das nicht für den Arbeitnehmer.

  3. Bedauern

    Gut, dass er weg ist! Das wird kein Arbeitgeber ins Arbeitszeugnis schreiben – es wäre auch gar nicht erlaubt. Aber indirekt kann die Aussage durchaus in diese Richtung gehen. Dann nämlich, wenn dem Unternehmen kein Ausdruck des Bedauerns über die Lippen bzw. die Tastatur kommt. Einen geschätzten Mitarbeiter lässt man nur ungern gehen – und drückt daher im Zeugnis sein Bedauern über dessen Weggang aus.

  4. Wünsche

    Einen Mitarbeiter dankt man normalerweise für das, was er für die Firma geleistet hat. Frau Schulze verlässt unser Unternehmen auf eigenen Wunsch, was wir sehr bedauern. Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr auch frü die Zukunft viel Erfolg. Das wäre eine Formulierung, mit der man sehr gut leben kann.

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Arbeitszeugnis Formulierungen: Achten Sie darauf!

Nicht jeder Arbeitgeber ist ein Zeugnisprofi. Darum ist auch nicht jede unglückliche Formulierung böser Absicht entsprungen. Oft stecken einfach Unwissen, Schludrigkeit oder Bequemlichkeit dahinter. Darum ist es für Bewerber auch so wichtig, das Zeugnis nach Erhalt genau zu überprüfen.

Wenn Sie sich nichts vorzuwerfen haben und einen guten Draht zu Ihrem Chef haben, dann sprechen Sie ihn auf die ungünstigen Codes im Zeugnis an. Gut möglich, dass ein Missverständnis dahintersteckt.

Möglich ist es aber auch, dass der Arbeitgeber Ihnen nachträglich noch eins auswischen will. Aus reiner Boshaftigkeit oder weil er sauer und enttäuscht über Ihren Weggang ist. Alles ist möglich.

Bei manchen Formulierungen sollten Sie auf eine Korrektur bestehen. Schließlich werden Sie sich mit Ihren Zeugnissen noch jahrelang bewerben müssen.

  • Passiv

    Diesen Rat kennt man noch aus dem Deutsch-Aufsatz in der Schule: Verwenden Sie nicht so viele Passivsätze! Auch im Arbeitszeugnis können Sie darauf hindeuten, dass etwas nicht stimmt. Konkret: Dass es der Arbeitskraft an Eigeninitiative gemangelt hat. Die ihm übertragenen Aufgaben oder wurde damit und damit betraut – derartige Formulierungen können ein Hinweis sein. Das wirkt phlegmatisch, lust- und ambitionslos. Wenn jemand dagegen aktiv etwas gemacht, gerissen, bewerkstelligt, erreicht hat, gewinnt das Zeugnis gleich eine ganz andere Dynamik.

  • Lücken

    Lücken im Lebenslauf sind ungünstig. Im Arbeitszeugnis können sie es auch sein. Zum Beispiel dann, wenn in standardisierten Aussagen ein Element fehlt. Beispiel: Sein Verhältnis zu Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets vorbildlich. Eine rundum positive Aussage. Wenn es nun heißt, sein Verhältnis zu Kollegen war stets vorbildlich, klingt das auch noch gut. Aber etwas fehlt. Möglicherweise war sein Verhältnis zu den Vorgesetzten nicht ganz so gut…

  • Richtungswechsel

    Ein Arbeitszeugnis muss wohlwollend sein. Umso härter wirken negative Formulierungen wie kein, nicht oder nie. Die sind im entsprechenden Kontext natürlich weiterhin erlaubt, aber drehen die Bewertung in eine negative Richtung. Beispiel gefällig? Seine Disziplin gab keinen Anlass zu Beanstandungen. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht irgendetwas damit auf sich hätte. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich eben doch um einen sehr undisziplinierten Mitarbeiter gehandelt hat. Oder: Sie war nie unpünktlich und fiel auch nie durch Unbeherrschtheiten auf. Das ist schon zu offensichtlich. In Wahrheit war sie ständig unpünktlich und ein Vulkan.

  • Wesentliches

    Lesen Sie nicht nur zwischen den Zeilen. Achten Sie auch darauf, was NICHT im Arbeitszeugnis steht. Es kann entscheidend sein. Denn die Kommentare im Arbeitszeugnis sollten auch zu Ihnen und ihrer Stelle passen. Von einem Social Media Manager wird Kommunikations- und Organisationsstärke erwartet, von einem Grafikdesigner Kreativität und von einem Controller Genauigkeit. Die Kernkompetenzen solten sich in der Bewertung wiederfinden. Werden sie durch Fachfremdes ersetzt oder ganz weggelassen, kann das ein schlechtes Zeichen sein.

  • Übertreibung

    Nicht nur Hobby-Satiriker wissen: Eine Übertreibung kann eine Bewertung ins Ironische verdrehen. Er war ein außerordentlich brillanter Kopf. Wenn Sie das in Ihrem Praktikumszeugnis sehen, was denken Sie dann? Doch wohl, dass sich da jemand über Sie lustig machen wollte. Genauso kann es auch gemeint sein. Er verfügt über eine außergewöhnliche Begabung, sein Wissen mit den Kollegen zu teilen. Das ließe sich übersetzen mit Er war ein Besserwisser.

[Bildnachweis: Production Perig by Shutterstock.com]

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