Datenschutz Bewerbung: Das müssen Sie wissen!

Daten, Daten, Daten – sie werden auch im Bewerbungsprozess immer wichtiger. Unternehmen wollen möglichst viel Wissen über ihre Bewerber abgreifen, Bewerber aber sorgen sich um die Sicherheit ihrer Daten. Das Gesetz steht weithin auf ihrer Seite. Datenschutz Bewerbung: Das sollten Bewerber wissen!

Bewerbung Datenschutz Tipps

Datenschutz Bewerbung: Warum er wichtig ist

Vielleicht haben sie auch schon mal eine Absage erhalten, die in etwa diesen Wortlaut hatte:

Vielen Dank für Ihre Bewerbung in unserem Unternehmen. Wir freuen uns über Ihr Interesse, dass Sie an unserem Unternehmen haben. Leider müssen wir Ihnen jedoch mitteilen, dass wir derzeit keine Möglichkeit sehen, Sie innerhalb unseres Unternehmen in einer Ihren Qualifikationen entsprechenden Position einzusetzen. Wir freuen uns aber, wenn wir Ihre Daten für mögliche Projekte in der Zukunft erfassen dürfen. Falls sich eine neue Beschäftigungsmöglichkeit ergibt, werden wir Sie noch einmal kontaktieren.

Das klingt erstmal alles ganz harmlos, zuvorkommend gar. Allerdings hat die Formulierung einen ernsten Datenschutz-Hintergrund. Denn Bewerberdaten dürfen nicht ohne Weiteres aufbewahrt und gespeichert werden. So will es das Gesetz. Was hat es also damit auf sich?




Darum wollen Unternehmen Ihre Daten

Unternemen nennen in der Regel einen von zwei Gründen, warum sie Ihre Daten aufbewahren wollen:

  • Die Bewerbungsunterlagen werden gespeichert, wenn der Bewerber auch Interesse an anderen Stellen im Unternehmen hat. Dann kann man ihm später weitere Jobangebote zukommen lassen.
  • Die Firma ergreift Maßnahmen gegen eine mögliche Diskriminierungsklage. Die Unterlagen helfen bei der Beweisführung, dass die Ablehnung des Bewerbers auf rein fachliche Gründe zurückzuführen ist.

Diese Gründe klingen durchaus plausibel. Ausreichend sind sie aber nicht, um Bewerberdaten grenzenlos aufzubewahren. Gemäß des Bundesdatenschutzgesetzes müssen personenbezogene Daten gelöscht werden, sobald der Zweck dafür entfällt.

Das bedeutet: Sobald die ausgeschriebene Stelle besetzt ist, für die sich der Bewerber beworben hatte, ist der Zweck der Datenspeicherung nicht mehr vorhanden. Die Daten müssen dann qua Gesetz gelöscht werden.

Nur Grund Nummer zwei, die mögliche Diskriminierungsklage, gestattet eine längere Aufbewahrungsfrist von ca. drei Monaten. Denn abgelehnte Bewerber müssen Ansprüche nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz spätestens nach zwei Monaten geltend machen.

Will das Unternehmen die Daten darüber hinaus sichern, benötigt es die schriftliche Einwilligung des Betroffenen – zwingend. Erteilt er diese nicht, muss das Unternehmen die Bewerbungsunterlagen löschen bzw. „zu unserer Entlastung“ zurücksenden.

Das betrifft im Übrigen auch Initiativbewerbungen und Blindbewerbungen. Das Unternehmen kann sich nicht darauf berufen, dass der Bewerber diese ja von sich aus eingesandt hatte, ohne dass eine entsprechende Stelle zu vergeben gewesen wäre.

Das spielt keine Rolle. Kommt der Bewerber nicht zum Zug – aus welchem Grund auch immer – müssen seine Bewerbungsunterlagen vernichtet werden. Ein Zweck zur Speicherung liegt nicht vor.

Datenschutz Bewerbung: Er hat höchste Priorität!

Datenschutz ist für deutsche Arbeitnehmer ein wichtiges Thema.

Für 86 Prozent der Deutschen ist Datenschutz rund um ihre Jobsuche wichtiger als beispielsweise dann, wenn sie im Internet einkaufen oder sich bei anderen Online-Diensten registrieren. Das haben Recruiting-Anbieter Viasto und Marktforschungsunternehmen Respondi 2018 in einer Umfrage ermittelt.

48 Prozent der Bewerber befürchten, dass ihre Bewerbungsdaten bei den Unternehmen nicht sicher sind. Misstrauen herrscht insbesondere Unternehmen gegenüber, deren Hauptsitze im Ausland angesiedelt sind.

Datenschutz Bewerbung: Warum Sie zustimmen sollten

Aber was, wenn das Unternehmen meine Daten sichern möchte? Sollte ich dem zustimmen? Dazu muss man verschiedene Aspekte abwägen. Es gibt gute Gründe für ein Ja und für ein Nein…

  • Jobchancen

    Manch ein Bewerber fühlt sich geschmeichelt. Wenn der Arbeitgeber meine Daten behalten möchte, kann er mich so grauenvoll ja nicht finden. So falsch ist der Denkansatz sicher nicht. Allerdings versuchen viele Unternehmen auch schlicht, ihren Talentepool aufzufüllen und möglichst großvolumig aufzublähen. Je mehr, desto besser. Aber dennoch: Ja, Sie reduzieren Ihre Jobchancen dadurch sicher nicht. Vielleicht meldet sich das Unternehmen nie wieder, vielleicht aber doch. Außerdem waren Sie ja an einer Anstellung in genau diesem Unternehmen interessiert. Warum also den Kontakt sofort wieder abreißen lassen? Zudem bekräftigen Sie hiermit noch mal Ihr Interesse. Falls die Stelle zufällig wieder vakant werden sollte, weil zum Beispiel der auserwählte Kandidat abspringt, kommen sie vielleicht doch noch zum Zug.

  • Grundeinstellung

    Sie halten Datenschutz für überbewertet. Ja, solche Menschen soll es geben – sogar bei uns in Deutschland. Immerhin treiben Sie sich überall im Netz herum, bei Facebook und Instagram, bei Xing und Linkedin. Ihre Daten schwirren überall umher. Warum nicht auch im Unternehmen? Und welche Nachteile hätten Sie dadurch eigentlich zu erwarten? Wenn Ihnen die Chancen größer erscheinen als die Risiken, dann stimmen Sie zu.

Datenschutz Bewerbung: Warum Sie nicht zustimmen sollten

  • Eigentum

    Es sind IHRE Daten. Und die wollen Sie geschützt sehen. Ganz einfach. Das ist Ihr gutes Recht. Niemand weiß, wer im Unternehmen Einblick in welche Daten hat und was mit diesen Daten geschieht. Hacker-Angriffe auf Unternehmen nehmen ebenfalls zu. Das erhöht das Risiko, dass Ihre Daten in die falschen Hände geraten.

  • Präferenz

    Sie hatten sich in diese Stelle verliebt. Nur in diese eine, sonst keine! Wird sie anderweitig vergeben, erlischt auch Ihr Interesse. Sie haben keinen Bedarf für eine Ersatzstelle und wollen nicht irgendwann der Notnagel für irgendwen sein. Sie wollten DIESE Stelle. Da Sie sie nicht bekommen haben, kriegt auch das Unternehmen Ihre Daten nicht. Ein fairer (Nicht-)Tausch.

  • Rufschaden

    Wer in der Personaldatenbank bleibt, erhöht nicht zwingend seine Jobchancen für später. Angenommen, Sie haben sich schon für zwei oder drei Stellen erfolglos beworben. Was denkt ein Personaler, wenn er Ihre Daten einsieht? Er sieht jemanden, dem schon mehrfach die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde. Kein Gütesiegel! Da erscheint es strategisch cleverer, Ihre Daten wären nicht mehr auffindbar. In fünf oder zehn Jahren könnten Sie immer noch einen neuen Anlauf starten – ohne vorbelastet zu sein.

Fazit: Ein klares Ja oder Nein gibt es nicht. Ob Sie der Datenspeicherung Ihre Zustimmung erteilen, entscheiden Sie selbst. Es gibt Vorteile, aber auch Nachteile.

Behalten Sie nur im Hinterkopf, dass Sie Rechte haben. Niemand kann einfach so über Ihre Bewerbungsunterlagen verfügen – nur Sie selbst!

Datenschutz: Das sagt die DSGVO

Datenschutz Bewerbung DSGVODie Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sagt: Unternehmen müssen Bewerber darüber informieren, wie und zu welchem Zweck sie die Daten verarbeiten und gegebenenfalls bei welchen externen Quellen Daten erhoben werden. Bei externen Quellen kann es sich zum Beispiel um Business-Netzwerke wie Xing oder Facebook handeln.

Auch müssen Arbeitgeber Kandidaten über ihre Rechte informieren und den Verantwortlichen für die Datenverarbeitung benennen.

Das gilt im Übrigen auch für Bewerber, die ihre Bewerbungsunterlagen auf dem Postweg einreichen. Auch ihnen muss der Arbeitgeber die Datenschutzinformationen zukommen lassen – per Post oder E-Mail.

Außerdem dürfen nur Personen die Bewerbungsunterlagen sichten, die darüber entscheiden, wer die Stelle bekommt. Bewerbungsunterlagen intern herumreichen – das untersagt die DSGVO.

Sie sieht zudem vor, dass Bewerber eine Möglichkeit haben müssen, ihre Bewerbungsunterlagen verschlüsselt einzureichen. Dadurch soll verhindert werden, dass Dritte die Daten mitlesen können.

[Bildnachweis: Song_about_summer by Shutterstock.com]

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