Dritte Seite: Warum Sie eine Chance für Bewerber ist

Die dritte Seite ist eine Chance. Bewerber können dem Unternehmen beweisen, dass sie in der Lage sind, Zusammenhänge zu komprimieren und Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Eine Seite drei gehört wohlgemerkt nicht zum Pflichtprogramm einer Bewerbung. Sie können sie auch einfach weglassen. Manchmal aber macht es sehr viel Sinn, die zusätzliche Arbeit zu investieren…

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Dritte Seite: Was ist das?

Die Dritte Seite in der Bewerbung wird auch als Seite drei, Kurzprofil oder Qualifikationsprofil bezeichnet – oder als Motivationsschreiben.

Es handelt sich um eine Seite, die relativ frei gestaltet wird und dem Personaler kurz und präzise die Motivation des Bewerbers nahebringt. Sie ist gewissermaßen ein Appetithappen.

Gut für Bewerber: Sie müssen sich an weit weniger formelle Vorgaben halten als im Lebenslauf oder im Anschreiben. Frei von Rechtschreibfehlern sollte die Dritte Seite gleichwohl sein…

Was steht drauf?

Die Seite 3 fasst die Bewerbung kompakt zusammen. Sie liefert dem Empfänger einen Überblick über…

  • Qualifikationen
  • Kompetenzen
  • Erfahrungen
  • Motivation

…des Bewerbers. Ja, viele Ratgeber halten sie für Ballast und vollkommen überflüssig.

In der Tat ist es so: Je mehr Lesestoff in den Bewerbungsunterlagen enthalten ist, desto unwahrscheinlicher, dass der Personalverantwortliche alles liest. Er überfliegt nur. Die wesentlichen Infos bekommt er ja ohnehin durch den Lebenslauf, das Anschreiben und die Zeugnisse serviert.

Doch genau hier liegt auch das Argument FÜR die dritte Seite. Denn angenommen, der Empfänger hat keine Zeit oder will sie sich nicht nehmen, dann kann eine überzeugende Seite 3 genau der richtige Köder für ihn sein. Motto: „Aha, wie praktisch, die lese ich mir jetzt durch, dann kann kann ich mir den Rest sparen. Genau das, was ich jetzt gerade brauche.“ Und wenn die Dritte Seite dann restlos überzeugt, kann sie ihren Absender in die nächste Runde hieven.

Sie wäre in diesem Szenario also kein zusätzlicher Ballast, sondern eine Alternative zu den restlichen Dokumenten Ihrer Bewerbung. Das macht die Sache aber gleichzeitig so schwer. Sie dürfen keinen wesentliche Info vergessen, müssen die Seite 3 aber auf das Notwendigste kondensieren.

Und reine Dopplungen und Wiederholungen sollten Sie auch vermeiden, denn es kann ja durchaus sein, dass sich der Personaler dann doch alles durchliest. Sieht er dann nahezu identische Anschreiben und Seite 3, könnte er an Ihrer Fähigkeit zu priorisieren zweifeln.

Darum ganz wichtig: Halten Sie sich kurz! Keine Romane, keine langen Erzählungen und Ausschweifungen. Ein paar kurze Sätze müssen es sein – am besten 10 bis 15 Zeilen lang. Und die dritte Seite sollte etwas Neues, einen anderen Blickwinkel zulassen oder sogar unterhalten.

Branche beachten!

Dritte Seite Branche beachtenDer Vorteil der Seite 3: Sie lässt viel Raum für Kreativität. Freiraum, der Ihnen im Lebenslauf und Anschreiben nur sehr eingeschränkt zur Verfügung steht.

So könnte ein Softwareentwickler zum Beispiel eine dritte Seite gestalten, die wie ein Quellcode aussieht (und damit gleichzeitig seine Coding-Skills demonstrieren). Ein Koch entwirft eine Menükarte, ein Mediziner ein Rezept, ein Controller eine Bilanz, ein Ingenieur einen Bauplan und ein Social-Media-Manager eine Twitter-Timeline. Das sind aber nur Anregungen. Sie können natürlich auch einen völlig anderen Stil und eigene Ideen aus Ihrem Hut zaubern.

Hinweis: Sie können, aber Sie MÜSSEN wohlgemerkt nicht kreativ werden. Wenn nämlich die Übersicht unter Ihren Ergüssen leidet, wird sich der Empfänger kaum freuen…

Dritte Seite: Wann macht sie Sinn?

Eine Dritte Seite ergibt Sinn, wenn…

  • Sie Platz für Infos benötigen, für die im Anschreiben kein Platz mehr war.
  • sie zur ausgeschriebenen Stelle passt.
  • sie dazu dient, Ihrem Lebenslauf Kontinuität zu verleihen.

Es gibt auch Gegenargumente. Sie brauchen KEINE Seite 3, wenn…

  • diese lediglich aus Wiederholungen besteht.
  • Sie sicher sind, dass Ihre Bewerbung schon rund und vollständig ist.
  • Sie wissen oder ahnen, dass der Empfänger kritisch darauf reagieren wird.

Sie müssen sich in Ihrer Seite drei nicht nur auf die Qualifikationen oder Kernkompetenzen beschränken. Sie können auch einzelne Skills gezielt highlighten, die Sie für besonders relevant halten. Das können auch Skills jenseits des Mainstreams sein.

Wichtig in jedem Fall: Die Seite drei muss dem Empfänger einen Mehrwert bieten. Denken Sie daran: Sie wollen damit Überzeugungsarbeit leisten, für sich und Ihre Kompetenzen werben. Die dritte Seite ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Durchsetzung Ihrer Ziele.

Hier ist der richtige Platz!

Dritte Seite richtiger PlatzDer Name lässt es vermuten: Die dritte Seite kommt – na klar – an die dritte Stelle Ihrer Bewerbungsunterlagen. Davor kommen nur Anschreiben und Lebenslauf.

Danach erst folgen die Arbeitszeugnisse. Und vergessen Sie nicht, die dritte Seite im Anschreiben unter Anlagen zu erwähnen. Andernfalls könnte der Personaler rätseln, was Sie ihm da eigentlich vorgesetzt haben…

Dritte Seite: So ist sie aufgebaut

Schreiben Sie bitte nicht Seite 3 oder 3. Seite in die Überschrift. Das wirkt wie abgeschrieben. Formulieren Sie stattdessen eine aussagekräftige Headline, die möglichst zum Lesen animiert. Zum Beispiel:

  • Das habe ich zu bieten
  • Das sollten Sie über mich wissen
  • Was für mich spricht
  • Was mir wichtig ist
  • Meine Motivation
  • Warum ich mich bei Ihnen bewerbe
  • Deshalb sollten Sie mich einstellen
  • Das bin ich
  • Was ich bisher erreicht habe
  • Eine kleine Entscheidungshilfe

Sie sehen: Sie können die dritte Seite in eine ganz spezielle Richtung drehen – je nachdem, für welche Überschrift Sie sich entschieden haben.

Wählen Sie also einen Schwerpunkt, der die Seite prägt. Alles Weitere steht ja bereits im Lebenslauf. Es bietet sich natürlich an, einen anderen Schwerpunkt als den aus Ihrem Anschreiben zu wählen. So können Sie mehrere Felder abdecken, die Ihnen oder dem Unternehmen wichtig sind.

An dieser Stelle der Hinweis: Fällt es Ihnen schwer, etwas herauszuarbeiten, dann lassen Sie die Seite 3 lieber von vornherein weg…

In das Kurzprofil gehören außerdem diese Elemente:

  • Absender, Adresse, Telefon, E-Mail
  • Titel
  • Einleitung (kurz!)
  • Qualifikationen, Erfahrungen, Soft Skills, Motivation (in Bulletpoints)
  • Ort, Datum, Unterschrift (handschriftlich)

Warum müssen Kontaktdaten rein? Aus bereits erwähntem Grund: Liest sich der Personaler tatsächlich nur die dritte Seite durch, findet er hier alle Infos, die er braucht – Ihre Nummern und Adressen inklusive.

Die Einleitung wiederum besteht aus drei bis vier Sätzen, mit denen der Bewerber den Personaler von seiner Motivation überzeugt. Danach kann er Qualifikationen und Skills auflisten.

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Das sind meine Stärken:
Ich stelle hohe Ansprüche – vor allem an mich selbst.
Mein Bewusstsein ist geschärft für die Anforderungen in der xxx-Branche.
Die digitalen Skills, die für den Job wichtig sind, beherrsche ich aus dem Effeff.
Ich arbeite sorgfältig, präzise und gewissenhaft.

Welche Erfahrungen mitbringe:
Produktmanager bei xxx
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Das habe ich erreicht:
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Das interessiert mich:
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Die von ausgeschriebene Stelle deckt sich hervorragend mit meinen Kompetenzen, davon bin ich überzeugt. Gerne würde ich Ihnen in einem persönlichen Gespräch darlegen, wie ich Ihnen weiterhelfen kann. Ich freue mich auf Ihr Feedback.

Stockholm, 01.01.2020
Gustav Gustafsson

[Bildnachweis: GaudiLab by Shutterstock.com]

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