Praktika im Lebenslauf: Wie Sie von ihnen profitieren

Praktika im Lebenslauf sind vor allem für Berufsanfänger und junge Beschäftigte wichtig. Sie stehen für Berufserfahrung, wo sonst nur gähnende Leere wäre. Schul- oder Hochschulabsolventen sollten sich aber genau überlegen, welche Praktika sie in ihren Lebenslauf aufnehmen. Denn manche passen wunderbar zur möglichen neuen Stelle, andere geben sogar Minuspunkte. Und dann kommt es noch darauf an, mit welchen Formulierungen Sie Ihre Praktikumserfahrungen umschreiben. Folgende Fehler gilt es zu vermeiden…

praktika im lebenslauf

Praktika im Lebenslauf: Welche gehören hinein?

Nehmen Sie in Ihren Lebenslauf möglichst nur die Praktika auf, die für die jeweilige Stelle relevant sind. Praktika sollen ja belegen, dass der Bewerber über praktische Qualifikationen und Berufserfahrung verfügt. Wenn ein Praktikum überhaupt keine Anknüpfungspunkte zur möglichen neuen Stelle aufweist, dann lassen Sie es lieber weg.

Angenommen, Sie bewerben sich als Projektmanager, dann stehen Ihnen Praktika gut zu Gesicht, die belegen, dass Sie schon einmal ein Projekt organisiert haben. Je stärker die Verbindungslinie, desto besser. Darüber hinaus sind auch Praktika wertvoll, die einen indirekten Bezug haben. Durch ein Auslandspraktikum etwa weisen Sie soziale und interkulturelle Kompetenzen nach – das ist in fast jedem Job ein Pluspunkt!

Klar ist: Je jünger Sie sind und je weniger Berufserfahrung Sie haben, desto wichtiger sind Praktika im Lebenslauf. Als Schul- oder Hochschulabsolvent können Sie im Zweifel auch Praktika in den Lebenslauf aufnehmen, die nur wenige Bezugspunkte zum angestrebten Job haben. Dann geht es für Sie erst einmal darum zu zeigen, dass Sie überhaupt schon Berufs- und Arbeitserfahrung gesammelt haben. Das gilt auch für Praktikumsanwärter selbst oder Azubis.

Mit steigender Berufserfahrung werden Praktika im Lebenslauf immer unwichtiger. Wer schon zehn Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel und verschiedene Positionen innehatte, lässt die Praktika im Lebenslauf komplett weg. Hilfreich können sie allenfalls sein, um Lücken im Lebenslauf zu schließen.




Praktika im Lebenslauf: Wo gehören Sie hin?

Wenn Sie Praktika im Lebenslauf platzieren, dann muss sie der Empfänger auch finden – logisch. Entweder, Sie nehmen einen eigenen Abschnitt „Praktika“ auf oder Sie führen die Praktika in der Rubrik „Berufserfahrungen“ mit den anderen beruflichen Stationen zusammen.

Wo sie NICHT hingehören: In die Rubrik „Hobbys“ und auch nicht in die Kategorie „Sonstiges“. Nebenbei bemerkt ist die Kategorie „Sonstiges“ ohnehin vollkommen überflüssig. Und auch für ehrenamtliche Aktivitäten nehmen Sie besser einen eigenen Abschnitt auf und verstecken sie nicht unter „Sonstiges“.

Sie sollten sich klar machen, dass viele Personaler einen Lebenslauf nur fix von oben nach unten scannen. So sieben sie vorab Bewerber aus, die die Mindestqualifikationen nicht erfüllen. Daher sollte der Abschnitt „Berufserfahrungen“ bei Ihnen nicht gähnend leer sein – sonst landen sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem Aussortiert-Stapel.

Machen Sie Ihre Praktika im Lebenskauf also sichtbar. Dazu gehören gute Beschreibungen. Diese Fragen sollten Sie beantworten:

  • In welchem Zeitraum haben Sie das Praktikum absolviert?
  • Welche Tätigkeiten haben Sie übernommen?
  • Was haben Sie erreicht oder bewirkt?
  • Welche Fähigkeiten konnten Sie erwerben oder verbessern?

Am besten, Sie arbeiten obige Fragen wie eine Checkliste bei jedem Praktikum ab. So gewinnen Ihre Praktika im Lebenslauf einen echten Mehrwert. Denn das ist wichtig: Wenn der Personaler keinen Sinn oder Nutzen in einem Praktikum erkennt, nützt es Ihnen in der Bewerbung herzlich wenig.

Praktika im Lebenslauf: Wie viele sollten es sein?

Noch mal der Hinweis: Nehmen Sie lediglich die Praktika auf, die einen relevanten Stellenbezug haben. Ansonsten können Sie sich diese Maxime merken: Mehr als drei oder vier Praktika sollten es nicht sein.

Warum nicht? Sie wollen doch schließlich nicht als ewiger Praktikant abgestempelt werden. Zu viele Praktika suggerieren, dass es für eine „richtige Stelle“ bislang nicht gereicht hat oder dass Sie sich diese selbst (noch) nicht zutrauen. Sie treten nicht als großes Talent auf, sondern wirken eher wie ein Wasserträger auf Wanderschaft. Außerdem sollte ein Lebenslauf nicht länger sein als zwei DIN A4-Seiten. Sie haben also gar keinen Platz, um ein großes Potpourri an Praktika auszubreiten.

Praktika im Lebenslauf: Was schreibe ich?

Ein Praktikum formulieren Sie im Lebenslauf so wie andere berufliche Stationen auch. Im tabellarischen Lebenslauf ist das Muster MM/JJJJ – MM/JJJJ in der linken Spalte und der Inhalt in der rechten Spalte vorgesehen.

Konkret könnte das so aussehen:

04/2018 – 07/2018 Praktikum im Bereich Öffentlichkeitsarbeit,
                                   Betreuung der Pressevertreter
                                   Konzeption und Durchführung einer PR-Kampagne

Genereller Tipp: Übertreiben Sie es nicht, bleiben Sie bei der Wahrheit. Ein bisschen aufpeppen ist erlaubt und auch empfehlenswert. Aber lügen Sie bitte nicht. Erfahrene Personaler werden schnell misstrauisch und haken dann im Vorstellungsgespräch nach. Wenn Sie dann keine Antwort wissen, sind Sie möglicherweise als Lügner enttarnt – und den Job los.

Aber Sie sollten sich schon überlegen, wie Sie Ihr Praktikum gewinnbringend einsetzen. Wie haben Sie durch Ihre Tätigkeiten zum Unternehmenserfolg beigetragen? Das müssen keine riesigen Durchbrüche sein, auch Erfolge im Kleinen sind es wert, erwähnt zu werden.

Versuchen Sie präzise und positiv zu beschreiben, was Sie eigentlich genau gemacht haben. Das ist eine Kunst für sich. Wer sie beherrscht, sammelt im Personalbüro Punkte.
Suchen Sie sich starke Wörter aus, die Ihr Praktikum beschreiben und nach Möglichkeit auch noch zur neuen Stelle passen. Dies erfordert Zeit und Hirnschmalz, ist die Mühe aber wert.

Verwenden sie aktive Formulierungen statt passiver – wenn es geht, immer! Wer die Produktionskette organisiert und nicht nur überwacht hat, verwandelt sich vom passiven Phlegmatiker zum Macher.

In die richtigen Formulierungen sollten Sie Energie investieren. Diese entscheiden über Wohl und Wehe Ihrer Bewerbung mit. Nicht nur für Praktika, auch für Nebentätigkeiten und Minijobs sollten Sie angemessene Begriffe finden. Es versteht sich ja zum Beispiel von selbst, dass Sie während Ihrer Studienzeit nicht gekellnert haben. Sie haben als Servicefachkraft in der Gastronomie wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Und noch ein Tipp: Passen Sie Ihr Vokabular – wenn möglich – an die jeweilige Branche an. Streuen Sie Fachbegriffe ein. Wenn es sein muss, sogar denglische. Das macht Ihren Lebenslauf passgenau und Sie gleich viel kompetenter…

Hier sind 4 Beispiele:

  1. Praktika im Lebenslauf: Beispiel 1

    Sie haben ein Praktikum in einem Call-Center absolviert. Nun wollen Sie die Referenz nutzen, um einen Anschlussjob im Vertrieb zu ergattern.

    In Ihrem Lebenslauf steht nicht:
    Annahme von Telefonaten

    In Ihrem Lebenslauf steht:
    Kundenbetreuung, Kundenmanagement, Inbound- und Outbound-Marketing

  2. Praktika im Lebenslauf: Beispiel 2

    Sie haben während des Praktikums den Instagram-Account eines kleinen Familienbetriebs betreut. Ihr Traum wäre es, weiterhin in den Medien zu arbeiten – in der PR oder als Social Media Manager. Wenn Sie sich daraufhin für ein weiteres Praktikum, Volontariat oder Traineeship im Medienbranche bewerben, dann steht…

    in Ihrem Lebenslauf nicht:
    Pflege der Instagram-Seite

    Dann steht im Lebenslauf:
    Social Media Management, Redaktion, Content Curation und Community Management

  3. Praktika im Lebenslauf: Beispiel 3

    Sie haben ein Praktikum in einem kleinen Familienunternehmen absolviert. Währenddessen haben Sie Flyer und Plakate gebastelt. Die Erfahrung wollen Sie nutzen, um sich einen Job in der Mediengestaltung zu sichern.

    In Ihrem Lebenslauf steht nicht:
    Gestaltung eines Plakats und Flyers

    In Ihrem Lebenslauf steht:
    Konzeption, Gestaltung und Realisierung von Werbemitteln

  4. Praktika im Lebenslauf: Beispiel 4

    Sie waren in der Oberstufe im Abiball-Komitee und haben die große Abi-Fete organisiert. Nun peilen Sie einen Job im Event-Management an.

    In Ihrem Lebenslauf steht nicht:
    Organisation einer Party

    In Ihrem Lebenslauf steht:
    Konzeption, Planung und Durchführung von größeren Schulveranstaltungen (z.B. Abiball 2019)

Dabei handelt es sich natürlich nur um Beispiele. Sie sollten bei der Wahrheit bleiben, sich aber nicht unter Wert verkaufen. Die richtige Wortwahl sorgt dafür, dass Ihnen das nicht passiert.

Praktika im Lebenslauf: So geht’s weiter

Praktika ersetzen Berufserfahrung – gerade bei jungen Bewerbern. Sie helfen Ihnen also im besten Fall, die erste Hürde zu nehmen und zum Vorstellungsgespräch durchzusprinten.

Doch um die Wurst geht es jetzt erst. Und da sollten Sie vorbereitet sein. Je prominenter der Platz, den Praktika in Ihrem Lebenslauf einnehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, das der Personaler Sie nach Ihren Erfahrungen befragt.

Darum sollten Sie vorher ein paar Gedanken an Ihre möglichen Antworten verschwenden. Diese Fragen helfen Ihnen dabei:

  • Welche Erfahrungen habe ich gesammelt, die mir im angestrebten Job helfen würden?
  • Welche Skills habe ich ganz konkret verbessert?
  • Wie habe ich mich persönlich weiterentwickelt?
  • Welches Ereignis hat mich besonders geprägt?
  • Welche Lehren habe ich daraus gezogen?

Dabei können sie ruhig ins Detail gehen und ein oder zwei Anekdoten zum Besten geben. Je detailreicher, desto glaubwürdiger.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Diese Artikel fanden andere Leser interessant: