Warum haben Sie gekündigt? So punkten Bewerber!

„Warum haben Sie gekündigt?“ „Also das ist ganz einfach. Mein Chef war ein Vollpfosten, die Kollegen unerträglich, die Firma ohnehin ein Ort des Wahnsinns und die Lage im Gewerbegebiet gruselig. Ach ja, und das Gehalt war genauso mies wie das Kantinenessen.“ Fraglich, ob Bewerber mit dieser Antwort Punkte auf ihr Konto einzahlen. Besser, Sie antworten auf folgende Art und Weise…

Warum haben Sie gekündigt

Darum stellen Personaler Ihnen diese Frage

Sie wollen wissen, warum Sie wechseln wollen. Und auch, wie hoch Ihre Frustrationstoleranz ist. Denn angenommen, Sie wollen Ihren Arbeitgeber wegen vermeintlicher Petitessen verlassen, wie werden Sie sich dann am neuen Arbeitsplatz verhalten, sobald erste Schwierigkeiten auftreten?

Arbeitgeber wollen keine Job-Hopper, sondern Mitarbeiter, die sich committen. Darum fragen Sie manchmal auch indirekt: Wie lange sind Sie schon auf Jobsuche? Warum suchen Sie aktuell eine neue Stelle? Was hat Ihnen an Ihrem letzten Arbeitsplatz nicht gefallen?

So kann der Interviewer klären, ob Sie freiwillig oder unfreiwillig gehen – und wo mögliche Konfliktfelder lauern. Die Frage ist für Sie als Bewerber ausgesprochen heikel. Besser, Sie manövrieren sich nicht in eine ausweglose Situation. Dafür ist es wichtig, sich vorab hieb- und stichfeste Antworten zu überlegen. Ehrlich und authentisch sollten die aber schon sein…




5 schlechte Kündigungsgründe

Es gibt zahlreiche Kündigungsgründe. Aber nicht alle sind gute. Manche sollten Sie in der Bewerbung lieber verschweigen. Zum Beispiel diese schlechten Kündigungsgründe:

  1. Chef

    Ein altes Business-Bonmot besagt: Mitarbeiter kommen für den Job und gehen wegen des Chefs. Das stimmt auch sehr häufig. Aber laut sagen sollten Sie es nicht. Kritik am früheren Boss ist eine Lästerei. Und Lästern ist schlechter Stil, illoyal und charakterschwach. Erstens begeben Sie sich damit selbst in die Rolle des Opfers. Zweitens weckt es Zweifel an Ihrer Loyalität dem neuen Arbeitgeber gegenüber. Werden Sie später auch schlecht über ihn reden? Wahrscheinlich ja.

  2. Herausforderung

    Sie haben den Großteil der Arbeitszeit damit verbracht, vor dem Rechner Solitaire zu spielen? Wäre definitiv eine witzige Antwort, aber sicher nicht zu Ihrem Vorteil. Natürlich gibt es langweilige Jobs und Aufgaben und Zeitabschnitte. Manch einer steht vielleicht sogar vor dem Boreout. Aber dann stellt sich die Frage: Wieso haben Sie nicht schon viel früher gekündigt? Zweite Frage: Warum wird ein vermeintlicher Leistungsträger wie Sie nicht intensiver in die wichtigen Prozesse des Unternehmens eingebunden? Und drittens: Weshalb haben Sie nicht selbst versucht, an diesem Zustand etwas zu ändern? Denn seinen Job kann man auch selbst mitgestalten, formen und spannender machen. Das nennt sich Job Crafting.

  3. Atmosphäre

    Die Vorgesetzte war ein Biest, der Kollege ein Lästermaul und die Neue eine Intrigantin. Die Harmonie im Team hat nicht gestimmt. Sie haben darunter am meisten gelitten, wurden vielleicht sogar gemobbt. Sehr nachvollziehbar, dass Sie kündigen wollen. Trotzdem stehen Sie vor einem Dilemma: Die Disharmonie im Team fällt auf Sie zurück – unabhängig davon, ob Sie sich wirklich in irgendeiner Weise etwas haben zu Schulden kommen lassen oder nicht. Ein Team besteht aus seinen einzelnen Mitgliedern. Und Sie waren eines davon. Dass es gekracht hat, muss auch an Ihnen gelegen haben. So ist jedenfalls der Eindruck, den man als neutraler Beobachter gewinnt. Zudem wäre es souveräner gewesen, wenn Sie sich durchgebissen und weitergemacht hätten – trotz Ihrer Meinungsverschiedenheiten. Denn die wird es im neuen Unternehmen garantiert auch geben…

  4. Stress

    Der alte Job war die Hölle, die Arbeitsbelastung einfach viel zu hoch. Sie mussten für zwei schuften, weil eine vakante Stelle langfristig nicht besetzt werden konnte. So viel Druck, so viel Stress. Ganz schlimm das alles! Mag sein, aber ein guter Kündigungsgrund ist dies ebenfalls nicht. Stressresistenz ist eine Grundvoraussetzung in vielen Berufen und Branchen. Und von einem Mitarbeiter erwartet man nun einmal Mehreinsatz und die ein oder andere Überstunde, wenn Not am Mann ist. Der Arbeitgeber will Sie einstellen, weil sie belastbar, leistungsfähig und motiviert sind.

  5. Feedback

    Mitarbeiter wollen auch mal gelobt werden. Andernfalls schalten Sie irgendwann einen Gang zurück und schieben nur noch Dienst nach Vorschrift, wenn überhaupt. Eine Dauerbelobigung indes kann niemand erwarten. Zu negatives Feedback und zu viel Kritik – das sollten Sie auf keinen Fall als Kündigungsgrund nennen. Erstens könnte ja in der Kritik ein wahrer Kern stecken, wer weiß. Und zweitens wirken Sie so wie jemand, der nicht mit Kritik umgehen kann – und sich nicht weiterentwickelt.

Sie sehen: Als Bewerber können Sie vieles sagen, was Ihren Gesprächspartner auf eine ungünstige Fährte lockt. In Wahrheit kann er Ihnen sogar ALLES negativ auslegen. Jede Antwort, die Sie geben, bleibt suboptimal. Warum? Weil Sie die Vergangenheit, das Negative und die Fehler in den Fokus holen.

Dann wirkt es so, als würden Sie sich immer nur auf die schlechten Seiten des Jobs konzentrieren. Der Arbeitgeber wird sich die Frage stellen, ob dies im neuen Job nicht wieder genauso sein wird. Sie wollen sich ja nicht als Jammerlappen präsentieren, sondern als zuversichtlicher Möglichmacher.

Warum haben Sie gekündigt: Das ist wichtig

Es ist empfehlenswert, dass Sie die Frage ganz nüchtern und professionell aufnehmen und den Blick sogleich wieder nach vorne richten. Tenor: Ich bin in dieser Position unter meinen Möglichkeiten geblieben – dieses Gefühl hatte ich jedenfalls – und habe keine Herausforderung mehr gesehen und keine Möglichkeit, mich weiterzuentwickeln.

Verkneifen Sie sich Seitenhiebe und Lästereien – selbst, wenn das Betriebsklima in Ihrem alten Unternehmen wirklich auf dem Nullpunkt angekommen sein sollte. Was Sie zum Beispiel sagen können: Unser Team ist umstrukturiert und komplett neu ausgerichtet worden. Dabei ist mir klar geworden, dass dies nicht die richtige Position für mich ist. Und dann ist es besser – für BEIDE Seiten besser – wenn man diesen Zustand überdenkt.

Sie sehen: Man muss keineswegs immer rosa Puderzucker über alles streuen. Wenn etwas negativ war, dann müssen Sie es nicht als paradiesisch umetikettieren. Ehrlichkeit, Selbstreflexion und Souveränität kommen so zum Ausdruck. Und das ist nicht verbittert, sondern zukunftsorientiert.

Warum haben Sie gekündigt: Formulierungsbeispiele

Nichtsdestotrotz lautet die Devise: Niemals über alte Arbeitgeber lästern! Das zeugt von Charakterschwäche. Und es sagt mehr über Sie aus als über denjenigen, über den Sie lästern.

Führen Sie möglichst sachliche Gründe für den geplanten Jobwechsel an: Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, neue Branche, neue Herausforderung. Hier sind ein paar Formulierungsbeispiele:

Wenn Sie selbst gekündigt haben

  • Ich habe mich mit meinen Kollegen und Vorgesetzten wirklich super verstanden. Daran lag es nicht. Allerdings hatte ich das Gefühl, perspektivisch an Grenzen zu stoßen. Eine internationale Ausrichtung war zum Beispiel kaum möglich. Also musste ich etwas ändern.
  • Bei meinem bisherigen Arbeitgeber habe ich viel gelernt. Ich bin ihm auch sehr dankbar dafür. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass meine Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt sind. Darum war es an der Zeit, dass ich mich neu orientiere…
  • Ich möchte mehr Verantwortung übernehmen. Das war bei meinem früheren Arbeitgeber leider nicht möglich, aufgrund verschiedener organisatorischer Zwänge. Ich habe aber mittlerweile so viel Erfahrung und Fachwissen, dass ich nicht mehr länger damit warten möchte. Daher die Neuausrichtung…
  • Ich bin ehrlich: Mein Hauptkriterium bei der Jobsuche ist der Standort. Ich bin meinem Partner hierher gefolgt und möchte nun beruflich in dieser Region Fuß fassen. Am liebsten bei einem aufstrebenden Unternehmen mit vielen Entwicklungschancen, das aus einer Branche kommt, in der ich mich auskenne. So einem wie Ihrem!
  • Bei meinem bisherigen Arbeitgeber habe ich viel über XY gelernt. Das ist sein Schwerpunkt. Mich selbst sehe ich in Zukunft aber eher im Bereich YX. Darauf möchte ich mich konzentrieren und spezialisieren, weil es noch besser zu meinen Fähigkeiten und Interessen passt. Und genau darum glaube ich, dass Sie der richtige Arbeitgeber für mich sind.
  • Mein bisheriger Job war wunderbar. Ich habe überhaupt keinen Grund zu Klage. Als ich aber Ihre Stellenanzeige gesehen habe, war ich Feuer und Flamme und sofort überzeugt davon, dass dieser Job noch besser zu meinem Profil passt. Ich bin überzeugt, dass ich mich hier voll einbringen könnte…
  • Wenn wir hier bei Tinder wären, wäre es ein Match. Sie bieten das, was ich suche und ich habe das, was Sie suchen. Das wurde mir schnell bewusst, als ich von der Stelle gehört habe. Allerdings bin ich nicht wie die meisten Männer bei Tinder: Ich suche nämlich etwas Langfristiges…

Wenn Ihnen gekündigt wurde

  • Es ist ganz simpel: Dem Unternehmen ging es zum Schluss nicht mehr gut. Den Umstrukturierungen ist auch meine Stelle zum Opfer gefallen.
  • Der Konzern hat sich ganz neu aufgestellt. Mehrere Niederlassungen wurden geschlossen, darunter auch meine. Ein Umzug kommt für mich wegen familiärer Verpflichtungen aber nicht infrage.
  • Mein bisheriger Arbeitgeber hat die Führungsriege umgekrempelt. Es gibt einen neuen Manager, der mein Team komplett neu ausgerichtet hat. Das ist auch völlig legitim. Ich selbst glaube aber, dass dieser Weg nicht der richtige für mich ist. Daher suche ich einen Job, in dem ich mich und meine Kompetenzen voll einbringen kann.
  • Ich möchte mich beruflich neu orientieren. Diese Stelle erscheint mir dafür ideal. Auf der einen Seite werde ich in einem führenden Unternehmen der XY-Branche viel lernen, auf der anderen Seite kann ich meine langjährigen Erfahrungen einbringen und Ihnen sofort weiterhelfen.
  • Die Wahrheit ist, dass mir nur gekündigt wurde, um eine Sperre bei der Arbeitsagentur zu umgehen. Mein Arbeitgeber und ich haben uns einvernehmlich dazu entschieden, getrennte Wege zu gehen. Wir haben lange und erfolgreich zusammengearbeitet und haben immer gewusst, was wir an dem anderen haben. Aber es war einfach mal an der Zeit, den Reset-Button zu drücken.
[Bildnachweis: Gutesa by Shutterstock.com]

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